EVA BRENNER        | ZUR BIOGRAFIE |

KĂĽnstlerische Leitung
gemeinsam mit Reinhardt Honold

Eva Brenner organisiert und leitet zum 5. mal erfolgreich das SCHIELEwerkstattFESTIVAL in Neulengbach.

In diesen fünf Jahren waren über 60 internationale KünstlerInnen aus zehn Ländern in Neulengbach und entwickelten in freier Assoziation ihre Interpretationen zum künstlerischen Werk und zur Person Egon Schieles.
13 wichtige Bilder hat Egon Schiele 1911 und 1912 in Neulengbach geschaffen. Diese und andere Werke aus dieser Periode bilden Ausgangspunkt und Grundidee des Festivals, das mit Schwerpunkt Ost-West Austausch als Kooperation zwischen den Städten Neulengbach, Wien und Ceský Krumlov im Jahr 2002 begann. 2003 wurde diese Zusammenarbeit auf Prag, Brno, Bratislava und Graz ausgedehnt.

Die eingeladenen KünstlerInnen kommen nicht mit fertigen Produkten nach Neulengbach, diese entstehen erst vor Ort und im Zusammentreffen mit den Räumen und den Menschen der Stadt. 18 KünstlerInnen aus 7 Ländern erarbeiten in kleinen Gruppen oder einzeln ihre ganz persönlichen Gedanken und künstlerischen Interpretationen zu einem Thema – 2006 ist es Schieles Bild »Stehendes Mädchen mit erhobenen Rock«.
Unter Einbeziehung aller Orte, an denen im Rahmen der Werkstatt geforscht und gearbeitet wird, entsteht eine begehbare Installation mit theatralen Szenen, Tanz, Musik, Film/Projektion und Ausstellungen, die zum Abschlussfest präsentiert wird. Komik trifft auf Ernst, Farbe auf Klang, Sprache auf Bewegung... Die ganze Stadt wird zur Bühne. Das Publikum ist eingeladen, den Präsentationen von Ort zu Ort zu folgen.

Aufbauend auf die Erfolge der Vorjahre setzt das SCHIELEwerkstattFESTIVAL 2006 neue, spannende Impulse: der Zeitrahmen der Werkstattarbeit wird durch eine vorbereitende »SCHIELE PREVIEW«-Veranstaltung und einen Kindertheaterworkshop in Kooperation mit dem »Ferienspiel« Neulengbach erweitert, der gesamte Rezeptionsprozess somit vertieft.
Den Höhepunkt der künstlerischen Werkstattarbeiten stellen »48 Kunst NON-STOP in den Zellen« dar.
15 KünstlerInnen verschiedener Disziplinen bespielen in Rotation und nach einem präzisen 4-Stundentakt die Zellen und angrenzende Räume. Alle Räume sind in diesem Zeitraum Tag und Nacht für BesucherInnen geöffnet, um den Arbeitsprozess einsehbar zu machen – wer will, kann die Stufen des Arbeitsprozesses mitverfolgen, sich aktiv einbringen.
Die Arbeit in den Zellen wird ergänzt durch Konzerte am Egon-Schiele-Platz und in der Pianobar Neulengbach, eine Bildende Kunst Werkstatt, eine Straßentheater-Performance und Bürgergespräche mit ExpertInnen.
Der neu inszenierte »Info Point« mit Video-Installationen und Power-Point- Präsentation auf dem Egon-Schiele-Platz bietet einen geselligen Treffpunkt für Bevölkerung und Gäste. Die Arbeiten in den Zellen werden hier non-stop über live-Videoprojektionen in den Stadtraum übertragen. Das Festival schließt mit einer Abschlussperformance & Installation, gefolgt von einem Fest.

ZUM VERHĂ„LTNIS VON KUNST UND PORNOGRAPHIE
Kunst, Körperlichkeit und Voyeurismus stehen im Zentrum der konstruktiven Auseinandersetzung geladener KünstlerInnen mit Schieles Bild »Stehendes Mädchen mit erhobenem Rock« (1911). Eine wichtige Rolle erhält die Frage nach der »Freiheit der Kunst« und der Instrumentalisierung und Kommerzialisierung von Kunst und Künstlern durch gesellschaftliche und politische Instanzen – ein aktueller Topos in Egon Schieles Zeiten so wie heute, besonders wenn es um provokant neue Kunstformen geht, die häufig einer unaus- gesprochenen Zensur durch Ignoranz und Verdrängung vom Markt unterliegen.

Die künstlerische Forschungsarbeit umfasst die Bedeutung von Erotik und Sinnlichkeit in der modernen Kunst genauso wie den historischen Wertewandel von Moralvorstellungen und Zwängen und die Hinterfragung des künstlerischen Blicks auf den menschlichen Körper. Wohin führt beispielsweise eine heuchlerische Doppelmoral vis-á-vis von Kunst und wie würde ein unbefangener Umgang aller Generationen mit Erotik und Sexualität aussehen? Wie stand es damals und wie steht es in unserer heutigen Gesellschaft mit der Toleranz des »Anderen«, des sog. »Außenseiters«? – Und wie verstehen wir und was bedeutet uns die oft beschworene »Freiheit der Kunst« (siehe Eingangsportal der Wiener Secession)?

Im Fall von Egon Schieles künstlerisch sublimierten Bildwelten können wir davon ausgehen, dass sie sich von »Pornographie« – im Sinne expliziter Darstellungen, die primär Zwecken sexueller Er- regung dienen – fundamental unterscheiden! Weniger eindeutig fällt die öffentliche Bewertung ähnlich provokanter zeitgenössischer Kunst aus, die sich kontroversiell mit Köper und Sexualität be- schäftigt (von Herrmann Nitsch bis zu Elke Krystufek oder der Künstlergruppe Gelatin, deren Skulptur im öffentlichen Raum im Salzburg des Jahres 2004 von der Stadtregierung demontiert wurde).

Aufgabe der KünstlerInnen in den Werkstätten des SCHIELEwerk- stattFESTIVAL ist es, neue und überraschende Zugänge zu Schieles Werk im Spannungsfeld zwischen historischen Entwicklungen, Kon- gruenzen und Differenzen auszuloten. Wichtig erscheint die offene und ungeschminkte Auseinandersetzung aller KünstlerInnen miteinander und mit dem Publikum, wobei Widersprüche und Zusammenhänge zwi- schen Kunst und Wirklichkeit zum besseren Verständnis der Bildwel- ten Schieles beitragen sollen.
© Eva Brenner